Viviane Loschetter: Öffentlicher Brief an den Arbeitsminister

Catégories : 
Actualité
Thèmes : 
Emploi et Travail, Enfance et Jeunesse
Auteurs : 
Loschetter Viviane

Publié le

Suite à un communiqué de presse sur la garantie jeunes le Ministre Schmit avait personellement attaqué Viviane Loschetter. Ses propos avaient été largement diffusés par la presse.

Lieber Herr Arbeitsminister

1. Erlauben Sie mir, lieber Herr Arbeitsminister, Ihnen zu sagen, dass ich Sie als schlechten Mitstreiter einschätze. Ich gehe hier bewusst nicht auf deplatzierte Bemerkungen ihrerseits ein, die nicht in eine nationale parlamentarische Debatte gehören. Sie unterstellen mir, ich würde meine Dossiers nicht kennen. Ich gehöre dank meiner beruflichen Laufbahn als Sozialpädagogin zu denen, die die Realität im Alltag aus erster Hand erfahren. Meine langjährige persönliche Erfahrung hat mir gezeigt, dass es nicht reicht, jungen Menschen ein kurzfristiges Angebot zu machen. Alle Jugendlichen brauchen eine solide Ausbildung und sollten in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt werden.

2. Dass Sie keine einfache Aufgabe von ihrem Koalitionspartner übernommen haben, das zweifelt keiner an. CSV-Minister Biltgen hat ihnen ein mit unvollendeten, teils seit Jahren vor sich hin dümpelnden Dossiers überhäuftes Arbeitsministerium überlassen. Vor allem aber scheint sich ihr Vorgänger auf vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenzahlen ausgeruht und es verpasst zu haben, sich proaktiv aufzustellen und eine ganzheitliche und effiziente Beschäftigungsstrategie aufzubauen.

Er hat sogar die Jugendarbeitslosigkeit und deren Ursachen wissentlich ignoriert, spätestens als er die zerschmetternden Schlussfolgerungen der OECD-Analyse zur schulischen Orientierung der Jugendlichen nicht wahrnehmen wollte. Auch haben Sie ein veraltetes und schlecht funktionierendes Arbeitsamt übernommen, eine Verwaltung deren Umstrukturierung  politischen Mut und Ausdauer benötigt. Etliche Aufräumaktion und Restrukturierungsmaßnahmen haben Sie mit mehr oder weniger großem Erfolg in Angriff genommen.

3. Sie tragen aber die Verantwortung für die Fortführung von ineffizienten, unsozialen und vor allem nicht nachhaltigen Maßnahmen. Die CIE und CAE Verträge sind solche unsozialen und nicht nachhaltigen Maßnahmen. Das ist sehr bedauerlich, denn wir haben nun mal die verdammte Pflicht, den Jugendlichen, den Weichenstellern und den Entscheidungsträgern der nächsten Generation optimale Chancen zu bieten.

4. Der Aufbau dieser Zukunft setzt voraus, ihnen heute die besten Möglichkeiten zu bieten. Gerade junge Menschen brauchen eine solide berufliche Ausbildung und das Gefühl von der Gesellschaft gebraucht zu werden. Alle zu treffenden Maßnahmen müssen nachhaltig dafür sorgen, dass die Jugendlichen eine Langzeitperspektive entwickeln können, wozu auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes gehört. Der unbefristete Arbeitsvertrag ist in unserem Land die Regel und der Garant für soziale Gerechtigkeit.  Ein Haus baut man nämlich nicht mit provisorischen Steinen….

Jedes Jahr brechen 1.900  Schüler die Schule ohne jegliche Qualifikation ab. Diese Schulabbrecher versuchen Sie seit Jahren via CIE- und CAE- Zeitverträgen in die Arbeitswelt einzugliedern. Das hat nicht funktioniert und es wird auch in Zukunft nicht funktionieren.

Diese Maßnahme kostet jährlich 13 Millionen Euro. Mit diesem Geld, das ausschließlich als Lohnausgleich in die Kassen der Arbeitgeber fließt, finanzieren Sie nur billige Arbeitskräfte. Mit diesem Geld helfen Sie dem Jugendlichen weder, über eine theoretische oder praktische Ausbildung ein Diplom zu erwerben, noch helfen Sie dem Jugendlichen durch eine professionelle und kompetente Begleitung  sein Lebensprojekt zu gestalten. Deswegen werden die CIE-CAE Maßnahmen in diesen schwierigen Zeiten untragbar!

5. Die Stadt Luxemburg, als öffentlicher Arbeitgeber, geht mit gutem Beispiel voran. Sie bietet jungen Menschen Ausbildungsverträge an. Mit den erworbenen Fertigkeiten und dem abschließenden Diplom haben diese Jugendliche später bessere Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt.

6. Herr Minister, verschwenden Sie bitte keine EU-Gelder zur Förderung der beruflichen Eingliederung von Jugendlichen (Jugendgarantie), indem sie sie den Betrieben als billige Arbeitskräfte auf Zeit zur Verfügung stellen. Investieren Sie personell und strukturell in die Beruforientierung und in die Schaffung von Lehrstellen.

Wer in die Zukunft investiert, muss in Menschen investieren!

Viviane Loschetter,

Grüne Abgeordnete
Sozial- und Jugendschöffin der Stadt Luxemburg

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Hier die ursprüngliche Pressemitteilung

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