Störfall im AKW Fessenheim

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Actualité
Thèmes : 
Ecologie et environnement, Santé
Auteurs : 
Kox Henri

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Antwort auf die parlamentarische Anfrage an Frau Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und Frau Umweltministerin Carole Dieschbourg

Laut Medienberichten sei es am 9. April 2014 im Reaktor 1 des ältesten französischen Atomkraftwerkes Fessenheim zu einem gravierenden Atom-Störfall gekommen, dessen Ausmaß aber sowohl der Betreiber wie auch die französische Atomaufsicht heruntergespielt hätten. Recherchen des WDR und der Süddeutschen Zeitung hätten ergeben, dass die 2014 von der Betreiberfirma EDF und der Atomaufsicht (ASN) gemeldete Überschwemmung im AKW Fessenheim keineswegs ein harmloses Ereignis gewesen sei, sondern möglicherweise „einer der dramatischsten AKW-Unfälle in Westeuropa“.

Ein spezieller Krisenstab habe damals entschieden, nach Problemen mit der Reaktorsteuerung, anormalen Temperaturen und dem teilweisen Ausfall der Notabschaltung, die chemische Substanz Bor ins Kühlwasser einzuleiten um die Kettenreaktion zu stoppen. Laut einem zitierten Reaktorexperten hätte es in Westeuropa eine solche Situation bislang noch nicht gegeben. Laut der Tageszeitung Le Monde habe die ASN aber in einer ersten Reaktion die deutsche Einschätzung als haltlos zurückgewiesen. Die Aufsichtsbehörde widdersprach dem deutschen Experten allerdings nicht komplett, da sie in Bezug auf die sehr außergewöhnliche Bor-Notbremse lediglich von einer „seltenen aber vorgesehenen Prozedur“ sprach.

Dieser Störfall in einer französischen Atomzentrale muss auch Luxemburg aufhorchen lassen, da er erneut verdeutlicht wie schnell mit der veralteten Hochrisikotechnologie „Atomkraft“ in jedem Atomkraftwerk – auch in der Nähe Luxemburgs – durch eine Verkettung von mehreren und an sich kleinen Problemen ein katastrophaler Unfall passieren kann.

Solche Vorfälle sorgen auch für einen Vertrauensverlust gegenüber den Atomaufsichtsbehörden, bzw. für Zweifel an deren Unabhängigkeit. Wenn die deutsche Einschätzung des Störfalls korrekt sein sollte, wirft das auch Fragen in Bezug auf die „offiziellen“ Bewertungen des Pannenreaktors Cattenom auf, wo die ASN-Kontrolleure z.B. bereits mehrmals – in höflichem Ton - die mangelnde Sicherheitskultur anprangerten.

In diesem Zusammenhang möchte ich folgende Fragen an die Gesundheitsministerin und die Umweltministerin stellen:

1.    Hat die luxemburgische Regierung Kontakt mit den französischen Behörden aufgenommen um weitere Details zu diesem Störfall zu erhalten?
2.    Ist die Bor-Zugabe wirklich eine außergewöhnliche Notfall-Maßnahme bei AKW Abschaltungen in Europa?
3.    Besteht bei solchen Bor-Notabschaltungen eine europäische oder internationale Meldepflicht? Gibt es dazu europäische oder internationale Statistiken?
4.    Müsste Luxemburg, in Zusammenarbeit mit Deutschland, in Zukunft nicht noch stärker auf eine enge Einbindung bei den Kontrollen in Cattenom, sowie auf regelmäßige unabhängige Bewertungen des AKW Cattenom drängen?

Parlamentarische Anfrage Antwort auf die parlamentarische Anfrage

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