Lëtzebuerg weider denken!

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Lëtzebuerg weider denken
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Loschetter Viviane

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Die grüne Fraktionsvorsitzende Viviane Loschetter erläutert in einem am 10.12. im Luxemburger Wort erschienen Artikel das Motto grüner Politik: „Lebensqualität vor Wachstum“, dass wir Luxemburg in nachhaltige Bahnen lenken müssen und dass der Anfang bereits gemacht ist

Seit diesem Herbst wird in Luxemburg endlich über die Zukunft unseres Landes diskutiert. Neuen Antrieb bekam das Thema nicht zuletzt mit dem Start einer Debatte über die zukünftige Landesplanung und der Vorstellung der 500-seitigen Rifkin-Strategie.

Die Wachstumsfrage ist gestellt und fast jedem dürfte jetzt klar sein: Wir brauchen ein anderes Wachstum! Wir müssen Geschwindigkeit herausnehmen und Luxemburg in nachhaltige Bahnen lenken.

Seit Ende der 90er Jahre hat ein ungezügeltes und planloses Wachstum unser Land gravierend verändert. Doch anstatt regulierend einzugreifen, blendete die Politik die wachsenden Probleme des Öfteren aus. Über Jahre hinweg wurden Lösungen verschleppt und wichtige Chancen vertan, um Luxemburg in Richtung nachhaltige Zukunft zu entwickeln.

Den Ufank ass gemaach

Seit 2013 ist der Kurswechsel unverkennbar: Seit 3 Jahren sind wir dabei, mit vielen kleinen Schritten die Fehler der Vergangenheit sowohl auf ökologischer, als auch auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene zu beheben und unser kleines Land in zukunftsfähige Bahnen zu lenken. Mit einer unaufgeregten und vorausschauenden Politik, sowie dem notwendigen Mut, gestalten wir die Zukunft unseres Landes und setzen uns für das Wohl der Allgemeinheit ein.

Früher wurde auf die täglichen Staus hauptsächlich mit noch mehr Investitionen in den Straßenbau reagiert. Heute fließen 2/3 der Transport-Investitionen in den Ausbau des öffentlichen Transports und ab Januar kommen neue Fördermaßnahmen für Elektrofahrzeuge und e-Bikes, sowie eine Umwelt-Besteuerung für Betriebswagen.

Vor 2013 gab es keine kohärente Landesplanung. Die Folgen waren die rasante Zersiedlung unserer Landschaft, ein wildes Wachstum an Neubaugebieten und Gewerbezonen und ein riesiger Landverbrauch. Damit ist nun Schluss. Das jährliche „Zubetonieren“ der Landesfläche konnte bereits mehr als halbiert werden und das Nachhaltigkeitsministerium hat eine Diskussion angestoßen, um endlich verbindliche Regeln für die Landesplanung zu definieren.

Umwelt- und Naturschutz genossen keine Priorität. Aufgrund des Rückstandes beim Kläranlagenbau zahlen wir immer noch Strafen an die EU. Der Schutz unserer Trinkwasserquellen war völlig inexistent: Erst heute werden unsere Quellen endlich geschützt.

Trotz der Unterzeichnung des Klimavertrages von Kyoto, setzte man anschließend auf Dieselpolitik und Tanktourismus. Dies wurde zum Problem für unser Klimaziel und unsere Gesundheit. Diese Regierung steuert nun um: Der Spritverkauf sinkt und die Klimaziele werden eingehalten. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien kommt voran.

Liewensqualitéit viru Wuesstum

Unser Ziel heißt „Lebensqualität vor Wachstum“. Dafür müssen wir unser Land weiterentwickeln. Denn nur so können wir auch unseren Kindern und Kindeskindern eine hohe Lebensqualität ermöglichen, mit allem was dazu gehört: einer intakten Umwelt, einer gesunden Wirtschaft, einem starken Sozialstaat und einer gerechten Gesellschaft.

Weder unser Wirtschafts-, noch unser Sozialmodell können bis zum Sankt Nimmerleinstag auf maximales Wachstum setzen. Unsere Landesfläche, unsere Ressourcen und auch die Belastbarkeit unserer Umwelt sind begrenzt. Luxemburg muss also anders wachsen; weniger, aber dafür intelligenter, gezielter und nachhaltiger.

Anders wachsen heißt dabei auch anders planen. Wir begrüßen deshalb ausdrücklich den politischen Mut der Regierung, die Frage der nachhaltigen Entwicklung Luxemburgs konsequent über Partei- und Ressortgrenzen hinweg partizipativ anzugehen. Mit der Rifkin-Strategie und der Landesplanungsdebatte liegen eine neue Vision und konkrete Ziele auf dem Tisch. Nun gilt es, den Weg dahin vorzuzeichnen und gemeinsam an der Umsetzung zu arbeiten.

Die Rifkin-Strategie, an der auch über 300 Menschen aus Luxemburg mitgearbeitet haben, ist kein fertiger Maßnahmenkatalog. Es ist auch keine „Grüne Bibel“. Allerdings zeigt sie in die richtige Richtung und bestätigt viele unserer langjährigen Forderungen, wie zum Beispiel das konsequente Umschalten auf erneuerbare Energien, die Förderung der Biolandwirtschaft, der Kreislauf- und Solidarwirtschaft, der Umstieg auf Elektromobilität, neue Konzepte wie Car-Sharing und Car-Pooling, uvm.

Ons Chancen notzen

Das Wohl des Landes liegt in unser aller Interesse und darf weder parteipolitischen Grabenkämpfen noch einer populistischen Angstdebatte zum Opfer fallen. Um unsere Chancen und Potentiale zu nutzen, müssen wir an einem Strang ziehen …und zwar in die gleiche Richtung!

Alle Parteien sind sich inzwischen einig, dass es an der Zeit ist zu handeln, und teilen auch größtenteils die Stoßrichtung. déi gréng sind der Überzeugung, dass sich nun über die Politik hinaus so viele Menschen wie möglich an der Zukunftsdebatte beteiligen müssen. Nur so lässt sich eine starke gemeinsame Vision entwickeln und eine positive Dynamik für die nachhaltige Entwicklung Luxemburgs aufbauen.

Die Gewerkschaften, das Patronat, die Umweltorganisationen, die Transition-Bewegung, usw. haben jetzt ebenfalls eine zentrale Rolle in dieser Debatte zu spielen. Wir sind optimistisch, dass dies gelingen wird. Gegensätzliche Ansichten sind überbrückbar, wenn jeder guten Willen zeigt.

Luxemburg braucht sich hierfür nicht neu zu erfinden. Unser Land und unsere Köpfe bergen noch großes Potential, das es zu entfalten und zu nutzen gilt. Wir müssen unser Land auf Basis seiner Stärken weiterdenken.

An der Politik ist es, einen klaren Weg aufzuzeichnen und sicherzustellen, dass niemand am Wegesrand vergessen wird. Denn nur so können wir die Zukunftsängste und -sorgen vieler Menschen überwinden. Vision und Ziele liegen auf dem Tisch, den Weg dorthin müssen wir nun gemeinsam beschreiten.

déi gréng werden diese Zukunftspläne nun offen und kontrovers mit allen Akteuren und vor allem mit den Menschen vor Ort diskutieren. Ab Februar werden wir im ganzen Land mit Informations- und Diskussionsabenden unterwegs sein, das Gespräch mit möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern suchen und uns mit Ihren Anregungen, Vorschlägen und Kritiken auseinandersetzen.

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