Kurzinterview mit Henri Kox zur COP22 in Marrakesch

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Actualité
Thèmes : 
Développement durable, Ecologie et environnement, Energies
Auteurs : 
Kox Henri

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"Die Ergebnisse, die in Marrakesch erzielt werden konnten, machen Hoffnung! Hervorzuheben sind neben der allgemeinen Einsicht, dass dem Kampf gegen den Klimawandel höchste Priorität zukommen muss, unteranderem eine gemeinsame Initiative von fast 50 der vom Klimawandel am stärksten bedrohten Länder, die mit gutem Bespiel vorangehen und schnellstmöglich auf 100% erneuerbare Energien umsteigen werden, sowie unser luxemburgisches Vorzeigeprojekt einer Klimafinanz-Plattform, das ebenfalls auf großen Zuspruch gestoßen ist." (Henri Kox)

Henri Kox, Sie sind in Marrakesch bei der COP22 dabei gewesen. Wie ist Ihr Eindruck?

Henri Kox: Im Mittelpunkt der UN-Weltklimakonferenz in Marrakesch stand natürlich die Umsetzung des globalen Klimaabkommens, das vor einem Jahr in Paris ausgehandelt wurde. Denn entgegen dem ersten Abkommen - dem Kyoto-Vertrag von 1997 - dessen Inkrafttreten mehr als 7 Jahre in Anspruch nahm, war das Pariser Abkommen bereits kurz vor Marrakesch von genügend Staaten ratifiziert worden und ist heute bereits in Kraft ! Das macht Hoffnung.  

196 Staaten haben in Marrakech nochmals bekräftigt, dass der Kampf gegen den Klimawandel „höchste Priorität“ und „maximales politisches Engagement“ genießen soll. Ein Fahrplan für das weitere Vorgehen wurde in groben Zügen vereinbart. Das Engagement der Industrieländer für einen Klimaschutzfond von 100 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2020 zugunsten der Entwicklungsländer wurde bekräftigt.

Es wurde aber auch davor gewarnt, dass die bisher verkündeten nationalen CO2-Reduktionen nicht zum Erreichen des Maximum-Zwei-Grad-Ziels ausreichen würden. Der nächsten Etappe (2017/2018) mit verbesserten und verbindlichen nationalen Klimaschutzplänen kommt daher eine entscheidende Bedeutung zu, um die Zwischenziele für 2030 (-40%) und 2050 (- 80%) zu erreichen.

Wie bewerten Sie die Initiative der kleineren Länder aus Afrika, Asien, Karibik und Südsee?

Henri Kox: In Marrakesch gaben in der Tat die kleineren Staaten den Ton an. Fast 50 der vom Klimawandel am meisten betroffenen Länder brachten eine bemerkenswerte Initiative zur schnellen Umstellung auf eine 100% erneuerbare Energieversorgung vor, was sie übernun während der nächsten drei Jahre in ihre nationalen Klimaschutzpläne festschreiben wollen.

Dieser bislang klarste Verzicht auf Kohle, Öl und Gas verdient unseren Respekt!  Es macht Mut und übt gleichzeitig Druck auf alle anderen Länder aus, selber diesen Weg zu beschreiten.

Was bedeutet Marrakesch für Luxemburg?

Henri Kox: Auch die Luxemburger Delegation hat sich in Marrakesch besonders hervorgetan.  Aufgrund unserer bedeutenden Rolle bei der COP21 in Paris und weil wir auf dem Weg sind, unsere Kyoto Ziele für 2020 einzuhalten, kann Luxemburg inzwischen glaubwürdiger auftreten als noch vor ein paar Jahren. Diesen guten Ruf konnten wir in Marrakesch nochmals stärken. So fand das luxemburgische Projekt einer Klimafinanz-Plattform, das die Regierung in Kooperation mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) gestartet hat, viel Beachtung als globales Vorzeigeprojekt.

Luxemburg hat auch stets die Kohärenz aller Politikfelder für einen erfolgreichen Klimaschutz unterstrichen und dies auch mit der Besetzung der Delegation vorgelebt. Neben dem Umweltministerium und der Abgeordnetenkammer, waren auch das Finanz- und das Kooperationsministerium sowie ein Vertreter  des Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) zur wissenschaftlichen Begleitung anwesend.

In Luxemburg sind vor allem die Politikfelder Mobilität, Landwirtschaft und Energie gefordert, um den Klimaschutz auch längerfristig voranzutreiben. Nur ein breiter Konsens in Politik und Gesellschaft wird es ermöglichen, diese Herausforderungen zu meistern. Mit den Zielsetzungen und Handlungspisten, die in meinem parlamentarischen Klimabericht, der Debatte zum qualitativen Wachstum sowie der Rifkin Strategie aufgezeigt wurden, haben wir jedoch bereits sehr gute Ansatzpunkte, um die längerfristigen Ziele im Klimaschutz anzugehen. Lasst uns das nun gemeinsam anpacken!

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