3 Fragen an Roberto Traversini zum „Logement“

Catégories : 
Actualité
Thèmes : 
Aménagement du Territoire
Auteurs : 
Traversini Roberto

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Wo siehst du den größten Handlungsbedarf in Sachen Wohnungsbau?

Roberto Traversini: Im reichen Luxemburg gibt es nur rund 2% soziale Mietwohnungen, womit wir quasi Schlusslicht in ganz Europa sind. Gebraucht werden laut Schätzungen der Caritas 20.000 solcher Wohnungen, tatsächlich stehen aber nur 4.000 zur Verfügung, die nach sozialen Kriterien vergeben werden. Vor allem die finanzschwachen Haushalte leiden unter den hohen Wohnkosten, wo diese bis zu 46% der Gesamtausgaben ausmachen. Wohnungsbaupolitik ist demnach auch Sozialpolitik. Hier sind nicht nur der Staat, sondern auch die Gemeinden gefordert.

Wie konnte es gerade in Luxemburg soweit kommen?

Roberto Traversini: Die Ursache dieses Missstandes ist vielschichtig. Generell sind in der Bevölkerung Ängste und Vorurteile gegenüber den sozial schwächeren Milieus spürbar. Bisher handelten viele lokale Politiker zu zögerlich und der Staat hat die Bedürfnisse der Gemeinden mit Blick auf ein aktives Handeln nicht richtig erkannt. Selbstverständlich treibt auch hier der Spekulationsgedanken sein Unwesen. Der Missstand hat sich über die Jahre derart zugespitzt, dass er nicht mehr mit Einzelmaßnahmen von heute auf morgen behoben werden kann.

Welche Lösungsansätze schlagen déi gréng vor?

Roberto Traversini: Da muss einiges zusammenkommen: Zunächst einmal müssen Staat und Gemeinden Verantwortung übernehmen, selber aktiv werden und in Eigenregie weitaus mehr erschwinglichen Wohnraum erschließen und vermieten. Damit alle Gemeinden ihrer Verantwortung gerecht werden können, brauchen wir starke staatliche Partner. In Sachen Spekulation muss die Politik Farbe bekennen, denn hier stehen sich Privatinteressen und Gemeinwohl unvereinbar gegenüber. Die Politik ist gefordert, damit leerstehender Wohnraum aus der Spekulationslogik herausgebrochen und wieder für ihren eigentlichen Zweck, das Wohnen, mobilisiert wird. Darüber hinaus wollen wir neue Wohnformen ermöglichen und denken dabei zum Beispiel an kooperative oder generationsübergreifende Wohnprojekte, wie sie gerade in der Stadt Luxemburg geplant sind.

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